Nicht ganz gradlinig war der Weg für eines der offensichtlich größten Kanu-Talente Essens und darüber hinaus

Welche Wahl haben Kinder wie Henry Koelman, aktuell 16-jähriger Aktiver der KG Essen, deren Eltern in derselben Sportart mehr als erfolgreich waren. Vater Thomas, zwischen 1997 und 2000 Europa- und Weltmeister im Wildwasser und Mutter Alexandra, im Wildwasser ebenfalls international etabliert – da lag es nahe, dass Sohn Henry das Boot bzw. paddeln schon mit in die Wiege gelegt wurde. Aber weit gefehlt. Von klein auf hatte Henry seine Vorliebe für das Rennradfahren entdeckt und war durchaus mehr als flott unterwegs. „Wir waren uns einig, Henry wird mal Rennradfahrer, auf keinen Fall aber kein Paddler!“, waren sich die Eltern Thomas und Alexandra Koelmann einig. Soweit kein Problem auch für Vater Thomas, dessen Herz nicht nur für Wildwasser schlug, sondern auch nach wie vor schlägt. „Flüsse, wildes Wasser und Berge, das liebe ich einfach“.

Aber irgendwann in einem Urlaub vor rund acht Jahren legte der junge Filius seine Abneigung zum Wasser ab und stieg mal in ein Boot. Ein lockerer Anfang, bei dem er offensichtlich Blut geleckt hatte für den Kanusport – im Wildwasser wohlgemerkt. Und dann ging es ganz schnell, wie die Eltern erzählten. Immer mit Vater Thomas zum Paddeln gegangen, fuhr Henry auch im Wettkampf schnell „alles in Grund und Boden“ wie die Eltern rückblickend berichten. Dies nicht nur in seiner Altersklasse, sondern auch schon bei den Älteren.

Eine sportliche Entwicklung, die Thomas und Alexandra Koelman irgendwie zum Nachdenken brachte. „Wir wollten tatsächlich Gutes für ihn bewirken und waren uns sicher, dass es für die Persönlichkeitsentwicklung nicht gut ist, immer nur zu gewinnen“. Henry sollte auch lernen, mit Niederlagen klar zu kommen. Und so Koelmans zu der Überlegung, ihren Sohn auch mit dem Rennsport vertraut zu machen. Da lag dann irgendwie die KG Essen nahe, zu der sie schon in mehreren Bereichen in der Vergangenheit Kontakt geknüpft hatten. Vater Thomas war befreundet mit Lutz Liwowski, KGE-Weltmeister in 1998, und Mutter Alexandra war mit der KGE auch schon im Trainingslager in Florida gewesen.

Kurz gesagt, zunächst ging der Plan der Eltern auf. Der Sohnemann hatte in der doch neuen Sportart so einiges zu knabbern. „Aber Henry knabbert tatsächlich gerne und versucht, sich dann da weiter zu entwickeln“, blickt „Alex“ Koelman schmunzelnd zurück. Und so war ihr Plan nicht von langer Dauer. Zunächst noch zweigleisig Wildwasser und Rennsport fahrend, ließen die Erfolge im Rennkajak nicht auf sich warten. Schon als Schüler und nun in der Jugendklasse setzte bzw. setzt Henry ein Ausrufezeichen nach dem anderen. Und hat sich inzwischen auch ganz dem Rennsport verschieben. „Ja, ich habe ihn wohl für das Wildwasser verloren -für das weiter mein Herz schlägt-, aber der Rennsport hat ihn gewonnen“, so Vater Thomas, in dessen Brust nun offensichtlich zwei Kanu-Herzen schlagen.

Koelmans Fam Z8638 resizeDenn Henrys Eltern sind Kanuten durch und durch und begleiten Sohn Henry, wenn immer es geht mit dem Camper oder Wohnmobil. Kanu und Paddeln war und ist immer ein Thema im Hause Koelman, aber immer ohne Stress. „OK, als Henry dann Spaß daran hatte, mir schon mal im Boot davonzuziehen, wurde dies schon mehr thematisiert“, blickt Thomas Koelmann schmunzelnd zurück. Sich bei den Wettkämpfen im Hintergrund haltend, sind sie aber da, wenn sie gebraucht werden.

Schon mit 14 Jahren war der jetzt 16-jährige Henry dann ins Essener Sportinternat gezogen, zu weit war die tägliche Entfernung ansonsten vom Wohnort Düsseldorf zum Trainingsort Baldeneysee. Eine Entscheidung, die weder Henry noch seine Eltern bereut haben. „Deutlich selbständiger“ sei Henry geworden, und der hat sich von Anfang an super wohl und aufgehoben gefühlt im Internat.

Schon im letzten Jahr sportlich mehr als erfolgreich, scheint Henry Koelman in diesem Jahr sportlich weiter durchzustarten. Auf der großen Regatta in Brandenburg vor wenigen Wochen erwies er sich als der schnellste Jugendliche über alle drei Wettkampfstrecken von 200m, 500m und 1.000m – und dies vor der favorisierten Konkurrenz aus Potsdam. Dazu kamen weitere Siege in NRW-Mannschaftsbooten. Und auch bei der großen internationalen Frühjahrsregatta hier auf dem Baldeneysee am vergangenen Wochenende war er es, der seinen Jubel auf der Ziellinie laut herausschreien konnte. Nach den 200m hatte er auch im 1.000m-Einer die Bootsspitze vorne – wieder vor der Konkurrenz aus Potsdam.

„ich mag es einfach, auf dem Wasser zu sein. Und ich mag es, mich mit anderen zu messen – und den Weg dahin zu genießen“, so Henry Koelman. Und wenn es mal nicht so läuft, mag er es auch, zu „knabbern“, die Herausforderung anzunehmen, auf ein neues Ziel hin zu arbeiten. Jede Wettkampfstreck hat für ihn seine Reize, besonders aber mag er die 500m- und 1.000m-Distanz. Ein Vorbild hat Henry natürlich auch. Aber nicht, wie aus Essener Sicht naheliegen würde Max Hoff oder Max Rendschmidt. „Den Jacob Schopf (Potsdam) finde ich cool und super. Der ist noch so jung und auf allen Strecken gut. Da muss man erst einmal hinkommen“, ist für das KGE-Talent offensichtlich er Weg schon vor Augen.

Voll des Lobes über Henry Koelman zeigt sich auch sein KGE-Heimtrainer Raul Bahamon: „Ich freue mich sehr, einen so jungen Sportler wie Henry in meiner Trainingsgruppe zu haben. Er ist im absolut positiven Sinn schon sehr professionell und ambitioniert und hat sich auch zu einem guten Teamplayer entwickelt“.

Übrigens hat auch der 12-jährige Bruder Vincent inzwischen die Vorliebe fürs Paddeln entdeckt. Zunächst dem Tischtennis verschieben -vielleicht auch aus Protest gegen die Kanufamilie, wie Mutter Koelman es lachend formulierte- ist er auf der Regatta in Essen erstmals im KGE-Trikot an den Start gegangen.

Offensichtlich spielen die Kanu-Gene im Hause Koelman doch eine große Rolle.