Offensichtlich schlägt das Herz von Jan Schäfer für den Kanusport: früher als überaus erfolgreicher Leistungssportler und nun als ebenfalls erfolgreicher Regattaleiter
Vor wenigen Tagen sind hier auf dem Baldeneysee die NRW-Meisterschaften der Rennkanuten zu Ende gegangen; nach der internationalen Frühjahrsregatta im Mai schon die zweite große Kanu-Veranstaltung in diesem Jahr. Und aufatmen hieß es da wieder für Jan Schäfer, der in diesem Jahr sein 10jähriges Jubiläum als Regattaleiter begehen konnte.
Die kanusportlichen Anfänge von Jan Schäfer jedoch liegen schon weit länger zurück. Ursprünglich beheimatet in Kassel war es sein Ziel, einmal so gut zu werden, um für die KG Essen starten zu können. „Dort, wo es eine so erfolgreiche Herrenmannschaft gab“. Ein Vorhaben, das er in die Tat umsetzte und schließlich selbst erfolgreich in den schon immer gelben Trikots der KGE an den Start ging.
Erste Olympia-Luft schnupperte Jan Schäfer 1996 in Atlanta/USA noch als Ersatzfahrer. Nach dem Gewinn von WM-Bronze im Zweierkajak mit Vereinspartner Olaf Winter 1999 ging es ein Jahr später weiter steil bergauf mit zwei Goldmedaillen im Vierer bei den Europameisterschaften. Höhepunkt des Jahres 2000 war zweifelsfrei der Gewinn der Silbermedaille als Schlagmann des deutschen Viererkajaks bei den Olympischen Spielen in Sydney/Australien. Vier Jahre später nach der dritten Olympiateilnahme 2004 in Athen/Griechenland (Platz 6 im Zweier) dann beendete Jan Schäfer seine sportliche Karriere.
„Der Leistungssport hat mir so viel gegeben“, war für ihn schon vorher klar, dass das Thema Kanusport mit dem Karriereende nicht vom Tisch war, sondern er dem Sport verbunden bleiben würde. Auch, um die Erfahrungen als Sportler irgendwie weitergeben zu können. Als dann die Anfrage an ihn gerichtet wurde, im Team des Kanuregatta-Vereins mitzuhelfen, war die Zusage vorprogrammiert. Die logische Konsequenz folgte vor 10 Jahren, als Jan Schäfer dann den Posten des Regattaleiters übernahm.
Jan Schäfer sieht durchaus viele Parallelen seiner Zeit als Leistungssportler und nun Regattaleiter. „Wenn man sich einer Sache verschreibt, sollte man sie richtig machen. Als Leistungssportler ist viel Herzblut erforderlich, um das Trainingspensum zu absolvieren und sich weiterzuentwickeln. Und Herzblut ist auch als Regattaleiter vonnöten, möchte man etwas bewegen. Denn eines macht Jan Schäfer für beide Bereiche klar „Stillstand ist Rückschritt“. Das, was für ihn als Sportler wichtig war, möchte er nun im Rahmen seiner Funktion den Sportlern bieten und stetig daran arbeiten. Die Herausforderungen als Regattaleiter hier in Essen sind nicht gerade klein, handelt es sich sowohl bei der internationalen Frühjahrsregatta (75 Vereine mit 700 Teilnehmern) sowie der Landesmeisterschaft (28 Vereine mit 460 Teilnehmern) um große Veranstaltungen. Da geht es laut Schäfer nicht um Selbstverwirklichung, sondern darum, den Sportlern gute Bedingungen zu bieten und den Aufenthalt hier in Essen so angenehm wie möglich zu gestalten. Und auch darum, den Essener Kanu-Regatten einen individuellen Touch zu geben. Wie z.B. bei den Siegerehrungen. Da werden zwar kleine, aber immer praktikable Geschenke an die Sieger überreicht, wie jetzt Kühltücher, durchdachte Brotboxen usw. Auf der Frühjahrsregatta gibt seit Jahren Medaillen immer mit dem Konterfei eines bekannten und erfolgreichen Essener Sportlers. Individueller geht es kaum. Ein Highlight sind zudem immer die heiß begehrten „Frühstückskörbe“ in den Hauptrennen der Leistungsklasse, gesponsert von der Sparkasse Essen. Dafür legt sich der ein oder andere offensichtlich ganz besonders ins Zeug!
Natürlich hat sich im Laufe der Jahre viel Erfahrung und auch Routine angesammelt und ein umfassendes Netzwerk gebildet, was bei der Bewältigung der Aufgaben mehr als hilfreich ist. Denn die Durchführung einer Veranstaltung dieser Größenordnung ist schon eine Ganzjahres-Arbeit, wie Jan Schäfer schmunzelnd erklärt. Da gilt es das Veranstaltungsdatum festzulegen, das eigentliche Regatta-Programm erstellen, Anträge stellen, einen Wirtschaftsplan festlegen, Genehmigungen abwarten. Dann den Sattelplatz und Stellplatz für Wohnwagen und Camper organisieren, den Motorbooteinsatz planen usw., usw. „Über das Jahr gesehen stehen viele Gespräche und Termine an mit der Stadt Essen, IG Baldeney, Weißer Flotte sowie Ruhrverband“, beschreibt Jan Schäfer. Dabei betonend, dass all dies nur im Team geht. „Das ist hier genauso wie im Leistungssport. Alleine kommt man da nicht weit, man braucht ein gutes Team“. Das Kern-Team besteht ganzjährig so aus 10 Personen, während der Veranstaltung kommen dann so 30-40 Personen zusammen!
Jedes Jahr gibt es Unwägbarkeiten zu beobachten und darauf zu reagieren. So musste auch schon einmal aufgrund von heftigem Sturm eine Regatta vorzeitig abgebrochen werden. In diesem Jahr gab es andere Herausforderungen: Da ist ja der Neubau der Tribüne am Zielturm noch nicht fertiggestellt. Stellplätze für Wohnwagen sind durch die Baustelle weggefallen, ebenso wie die Zuschauerplätze im Zielbereich. Die Siegerehrungen mussten verlagert werden. „Aber wir haben das Beste daraus gemacht und sind vor dem Regattahaus näher zusammengerückt. Die Atmosphäre war super, aber eine Dauerlösung ist dies definitiv nicht. Wir freuen uns auf jeden Fall im nächsten Jahr auf die neue Tribüne“, so Jan Schäfer.
Die ein oder andere schlaflose Nacht dürfte den Verantwortlichen aber insbesondere das in diesem Jahr vorherrschende Laichkraut bereitet haben, das sich breitflächig auf dem Baldeneysee ausgedehnt hat. Geht man mal am See lang, sieht man den grünen Teppich deutlich. Aber letztendlich blieb die Kanu-Strecke verschonte, auch dank des Einsatzes der Mähboote des Ruhrverbandes. „Eine Absage oder Verlagerung der Regatta war eigentlich nie ein Thema“, bekräftigte Jan Schäfer. Dennoch wollte man vorbereitet sein und hatte Alternativpläne ausgearbeitet, dies auch in Absprache mit dem Fachverband, da ja immerhin Qualifikationsrennen für die Deutsche Meisterschaft ausgetragen werden sollten. Um optimale Bedingungen zu schaffen, fuhren an den Wettkampftagen in aller Frühe Helfer aus dem Team mit Motorbooten und Käschern raus, um verbliebene Algen aus der Strecke zu fischen. Alles in allem stand somit einem reibungslosen Ablauf der Veranstaltung nichts im Wege! „Aber mit dem Thema Algen werden wir uns auseinandersetzen müssen, das wird zur weiteren kontinuierlichen Arbeit für die nächsten Regatten gehören“, richtet Jan Schäfer den Blick noch während der Meisterschaften nach vorne. Gemäß dem Motto „nach der Regatta ist vor der Regatta“.
Dann dürfte er es sehr genossen haben, als Regattaleiter bei einigen Siegerehrungen auch seinen Kindern, die für den LDKC Bochum Dahlhausen starten, im Rahmen der Schülerspiele eine Medaille umhängen zu können. Denn wie Jan Schäfer sind seine Frau (im Helferteam engagiert) und die Kinder mehr als kanuinfiziert!
- Eine mehr als positive Bilanz konnte auch die KG Essen auf ihrer Hausstrecke ziehen. Sage und schreibe 28 Titel, 22 Vizemeisterschaften und 13 Bronzemedaillen konnten die Kanuten aus ihrem Baldeneysee fischen und eine Vielzahl von Booten für die DM qualifizieren. Das war ein neuer Rekord. Und am Ende gab es noch eine ganz besondere Ehrung. Zum 6. Mal in Folge und zum 18. Mal seit 2004 ging der Preis für die erfolgreichste Nachwuchsmannschaft wieder an die KGE. Sie waren wieder einmal die Besten im Westen!




